Veröffentlicht inBraunschweig

Braunschweiger nach Stadt-Tour fassungslos – „Mir tut das Herz weh“

Wie schlecht steht es um die Braunschweiger Innenstadt? Ein Alteingesessener jedenfalls macht sich große Sorgen. Wir schauen nach vorn.

Das ehemalige Karstadt-Gebäude am Gewandhaus in Braunschweig soll zum Haus der Musik werden.
© News38

Das Braunschweiger Schloss - so bewegend ist seine Geschichte

Wir erzählen die bewegende Geschichte des Braunschweiger Schlosses.

Stirbt Braunschweigs Innenstadt aus?

Ein Mann aus Braunschweig jedenfalls macht sich große Sorgen – und vermisst das „alte Braunschweig“. News38 hat mit dem Stadtmarketing über die Situation und die Zukunft gesprochen.

Braunschweiger ist entsetzt

Piotr hat letztens einen kleinen Spaziergang durch die Innenstadt gemacht. Was er dabei gesehen hat, machte ihn so fassungslos, dass er sich bei Facebook äußerte: „Ich bin entsetzt über den Zustand unserer einstmals schönen Innenstadt Braunschweig“, schrieb er mit Blick auf die ganzen Leerstände. Viele geschlossene Geschäfte seien mit Brettern zugenagelt. Er sei nur auf dem Hutfiltern und der Friedrich-Wilhelm-Straße unterwegs gewesen, aber in den anderen Straßen sehe es auch nicht besser aus. „Mir tut das Herz weh, wenn ich unser einst schönes Braunschweig sehe“, so Piotr in einer Braunschweig-Gruppe.

Mehr Gastro, weniger Shopping

Was sagen die Verantwortlichen zu der aktuellen Situation in der Braunschweiger Innenstadt? Gibt es wirklich so viele Leerstände oder ist das Laden-Massensterben nur eine subjektive Wahrnehmung? Dass Betriebe schließen und neue Läden eröffnen sei ein kontinuierlicher Prozess in allen Innenstädten, sagt das Stadtmarketing zu News38. Die Gründe dafür seien unterschiedlich, zum Beispiel die ganzen Insolvenzen überregionaler Filialkonzepte (Galeria, Depot, Esprit, usw.), fehlende Nachfolger für Betriebsübernahmen oder betriebswirtschaftliche Probleme.

Das ehemalige Karstadt-Gebäude am Gewandhaus in Braunschweig soll zum Haus der Musik werden.
Das ehemalige Karstadt-Gebäude am Gewandhaus in Braunschweig soll zum Haus der Musik werden. Foto: News38

Aber auch die Pandemie und das Internet machten es der Innenstadt schwer: „Durch die Verwerfungen nach Corona, das geänderte Konsumverhalten und die verhaltene konjunkturelle Entwicklung dauert die Nachnutzung aktuell spürbar länger als bisher“, sagt das Stadtmarketing. Gleichzeitig wachse in Braunschweig das Gastro-Angebot immer weiter an (Winzerli ToGo, India Tandoori Haus, Ramen Ippin, Coffee Loft, Pommes Freunde, etc.).

Außerdem gebe es auch Neueröffnungen im Handel und bei Dienstleistungen. Insgesamt aber habe der Anteil an Handelsangeboten abgenommen. „Bei Belebung der Konjunktur erhoffen wir uns eine baldige Besserung, da Braunschweig als Oberzentrum der nach wie vor kaufkräftigen Region Braunschweig weiterhin ein attraktiver Einzelhandelsstandort ist“, sagt das Stadtmarketing ganz selbstbewusst.

Braunschweig: 70 leere Läden

Zu den Zahlen: Zuletzt (Stand Dezember 2024) gab es in der Fußgängerzone 15 Leerstände. Und damit weniger als in den Vorjahren. Vor drei Jahren zum Beispiel waren es 24 leere Läden. Bei den Randbereichen, also dem Gürtel um die Fußgängerzone, schwanken die Zahlen dagegen stark. Zuletzt gab es 55 Leerstände. Es waren aber auch schon mal 46 – und auch schon 75. Die Wirtschaftsförderung lässt die aktuellen Zahlen gerade zusammenstellen und befürchtet, dass es tatsächlich wieder mehr Leerstände gibt.


Mehr News:


Nicht wenige Braunschweiger glauben, dass die Zeit einer reinen Einkaufs-Innenstadt längst vorbei ist. Dass es ein Überangebot an Handelsflächen gibt, haben natürlich auch die Stadtplaner erkannt. Insofern gibt es schon lange Pläne, die Innenstadt anderweitig – nämlich multifunktional – am Leben zu halten („Perspektive Innenstadt“). Neben vielen kleinen Projekten sind vor allem das Haus der Musik (ehemaliges Karstadt-Gebäude) und der Umbau der verwaisten Burgpassage zu den Stiftshöfen (Wohnen-Schule-Hotel) zwei Leuchttürme, die Braunschweig sexy machen sollen: „Das ist ein wichtiger Schritt für den Wandel der Innenstadt vom reinen Einkaufsort hin zu einem gemeinsamen Ort, in dem Menschen leben, sich treffen, arbeiten, einkaufen, genießen und sich gern aufhalten“, sagt das Stadtmarketing. Frei nach dem Motto: Totgesagte leben länger.