Die USA stecken im Moment in einer echten Eier-Krise. Wegen eines größeren Vogelgrippe-Ausbruchs haben die Staaten mit Engpässen zu kämpfen und die Eierpreise steigen rasant an. Aber nicht nur dort ist die Lage kritisch. Auch in den deutschen Supermärkten werden Eier ebenfalls immer teurer.
Rollt auch die Region Braunschweig auf eine Eier-Krise zu? Ein regionaler Bauer klärt auf.
Braunschweig: Ist ein Eier-Kollaps denkbar?
Dass die Eierpreise in Deutschland im Moment Rekordhöhen erreichen, ist wahrscheinlich an keinem vorbeigegangen. Laut des Statistischen Bundesamtes sind die Preise seit dem Jahr 2020 um ganze 40,7 Prozent gestiegen! Könnte ein potenzieller Vogelgrippe-Ausbruch wie in den USA die Lage nochmal verschlimmern? News38 hat sich darüber mit Olaf Puls von Papes Gemüsegarten in Braunschweig unterhalten. Er sagt dazu folgendes: „Wir haben andere Vorlagen und sind etwas anders strukturiert. Passieren kann sowas natürlich immer noch, aber wir sind gut aufgestellt.“
Der Vorteil in Deutschland sei die regionale Lebensmittelerzeugung, die über viele Regionen verteilt ist. Dadurch werde das Risiko einer Übertragung gesplittet. Außerdem mache sich Deutschland dadurch nicht so abhängig von anderen Ländern. „Wir können froh sein, dass wir in der Region noch relativ breit aufgestellt sind und viele Produzenten haben, die eine Gesamtversorgung möglich machen und wir nicht so extrem auf Importe angewiesen sind“, sagt Puls.
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DAS macht den Betrieben aktuell zu schaffen
Die Vogelgrippe und Abhängigkeit von anderen Ländern seien in Deutschland also die kleineren Übel. Viel mehr würden den Bauern steigende Kosten zu schaffen machen. „Die Inflation, die an keinem vorbeigegangen ist, geht natürlich auch an keinem Geflügelhalter vorbei“, erklärt der Bauer aus Braunschweig. „Die Hennen sind auf jeden Fall deutlich teurer, das Futter ist teurer und steigende Personalkosten sind ein Thema.“
Die Liste sei lang und die Kosten werden eher mehr als weniger. Mittelfristig hätten die Bauern keine andere Möglichkeit, als die gestiegenen Kosten auf das Produkt umzulegen. Und das bleibt auch im Hinblick auf das anstehende Osterfest so. „Es gibt wenig Impulse, die dafür sprechen, dass es wieder günstiger werden sollte“, erklärt Puls.
Teure Eier in Braunschweig aus „gutem Grund“
Bei Papes Gemüsegarten liegt der Preis pro Ei bei rund 40 Cent, was aber auch mit Haltungsform vom Hof zusammenhängt. „Wir haben eine reine Freilandhaltung und Mobilstallhaltung“, erklärt Puls. Dementsprechend seien die Eier etwas teurer. Olaf Puls ist von diesem Konzept total überzeugt. „Ich bin der Meinung, mit unserer Haltungsform, die wir haben, tun wir den Tieren und der Gesellschaft was Gutes“, erklärt er.
Er hat außerdem beobachtet, dass viele Menschen in den letzten 10 bis 15 Jahren vermehrt auf Dinge wie Haltungsformen und Regionalität achten. Wegen steigender Lebenshaltungskosten und Inflation schien dieses Bewusstsein aber in den letzten Jahren umzuschwenken. Aus Geldsorgen griffen die Kunden auch gerne mal zur günstigeren Ware und achteten weniger auf die Haltungsform. „Bodenhaltung war dann wieder attraktiver“, sagt Puls.
„Das Bewusstsein darf nicht verloren gehen“
Weil immer weniger Freilandeier verkauft wurden, stiegen einige Betriebe komplett aus. Olaf Puls hofft, dass es bei Papes Gemüsegarten nicht so weit kommen muss. „Vom Herzen her und von vom Ablauf her wollen wir das gerne weitermachen, weil einfach die Geflügelhaltung ein schönes Standbein für uns ist“, erklärt er. Wichtig ist, dass der Betrieb am Ende des Tages aber auch Umsatz macht. „Sonst macht es irgendwie keinen Sinn, zur Arbeit zu gehen.“
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Damit das gelingt, müsse der Trend zur Regionalität, der in der letzten Zeit abgeschwächt ist, wieder angekurbelt werden. „Das Bewusstsein darf nicht verloren gehen, nur weil irgendwelche anderen Probleme in der Welt sind“, erklärt der Bauer. „Wir müssen irgendwie so autonom sein, dass wir uns selber versorgen können.“ Dadurch könnte eine Situation wie in den USA vermieden werden. Der Region Braunschweig droht aktuell also keine Vogelgrippe-Krise, aber trotzdem müssten Konsumenten in der kommenden Zeit mit höheren Eier-Preisen leben.